Benediktushof, Reken

Tagesstruktur: „Weil hier immer etwas los ist“

Angebot für Bewohner*innen macht Spaß und regt an.

Jeder Mensch braucht eine Tagesstruktur; das gilt nicht nur für Beschäftigte im Home-Office, sondern auch für ältere Bewohner*innen im Benediktusof. Sie können von montags bis freitags die hausinterne Tagesstruktur besuchen. Das Interesse der Bewohner*innen an diesem Angebot steigt.


Waltraud Aussem (81) kommt regelmäßig in die Tagesstruktur des Benediktushofes, „weil hier immer etwas los ist.“ Gerd Rosinger (67) liebt es, den Praktikanten Luca Grimmert beim Mensch-ärgere-dich-nicht zu besiegen. Und Günter Priemer (81) strahlt die anderen so fröhlich an, dass man sieht: Der über 80-jährige fühlt sich trotz starker Schwerhörigkeit offensichtlich wohl im Kreis der „Benediktushof-Rentner“. Durchschnittlich 13 bis 14 ältere Bewohner treffen sich regelmäßig montags bis freitags von 9 bis 16.30 in den speziell eingerichteten Räumen der Tagesstruktur, die sich im Untergeschoss vom Haus Elisabeth befinden. 


Früher waren die meisten von ihnen in der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) des Benediktushofes beschäftigt, wo sie beispielsweise Elektroteile montiert, Kerzen gezogen oder Akten geschreddert haben. Nun nehmen sie an „einrichtungsinternen tagesstrukturierenden Maßnahmen für Erwachsene mit Behinderungen“ teil - ein vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) finanziertes Angebot. Es kann auch von Bewohner*innen wahrgenommen werden, die nicht die Werkstatt nutzen können.


Anregen, fördern, motivieren, begleiten und unterstützen – das multiprofessionelle Team in der Benediktushof-Tagesstruktur entwickelt differenzierte Tages- und Wochenpläne mit einer großen Angebots-Palette für die Gäste. Am Morgen werden bei Kaffee und selbst geschnibbeltem Obst wichtige Neuigkeiten ausgetauscht wie: Was gibt es Neues in der Wohngruppe - im Benediktushof – in Reken und im Kreis Borken? – Heilerziehungspfleger Bernhard Krampe liest den Tagesgästen aus der Zeitung vor. Wer Lust hat und mitreden möchte, diskutiert mit ihm über Aktuelles aus dem britischen Königshaus oder über den Fortschritt der Corona-Impfungen in Deutschland. Ein gutes Gefühl für die Anwesenden: Fast alle Bewohner*innen und Betreuer*innen wurden bereits geimpft. 


Mittags bekommen die Tagesgäste ein warmes Essen aus der Großküche. Wer mag, legt anschließend eine kleine Pause im Nebenraum ein. Nachmittags wird je nach Plan gewerkelt mit Jacqueline Menke oder gesungen mit Lisa Albers. Weitere Aktivitäten sind: Kleine Besorgungen im Ort erledigen, zusammen Kuchen backen, bei gutem Wetter draußen den Frühling genießen oder im Sinnesgarten die Planung einer Gedenkstätte für verstorbene Bewohner verfolgen. 


Ludger Berger, Leiter der Tagesstruktur und Koordinator des Bereichs Kultur und Freizeit im Benediktushof, unterstützt die Bewohner*innen dabei, ihre Erinnerungen wach zu halten. Zum Beispiel durch Biografie-Arbeit, bei der Vergangenes aus dem Leben der Bewohner ins Gedächtnis gerufen wird. Karin Worttmann etwa entsinnt sich recht gut an ihre frühere Arbeit in einer Bäckerei und Gerd Rosinger an seine frühere Tätigkeit als Krankenpfleger. Beide wurden, durch Erkrankungen/ Schicksalsschläge, aus ihrem einst eigenständigen Leben herausgerissen und fanden im Benediktushof eine neue Heimat. 


Die Tagesstruktur im Benediktushof bietet, ergänzend zum Wohnbereich, einen zweiten Lebensraum für die älteren Bewohner*innen mit Behinderungen. Das Interesse an diesem Angebot ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, berichtet Ludger Berger. Auch dürfen Werkstatt-Beschäftigte über 60 Jahre einen „Schnuppertag“ in der Tagesstruktur verbringen - um zu sehen und zu erleben, ob das eine passende Möglichkeit für ihr zukünftiges Rentnerleben ist.
 

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